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von Tim Frölich |

Ein unterschätztes Thema mit hohem Risikopotenzial

Schriftarten sind Software in vielen Bereichen sehr ähnlich. Sie unterliegen bestimmten Nutzungsrechten, ihre Einsatzszenarien sind äußerst divers, die Möglichkeiten der Lizenzierung umfassen alles von „einfach“ bis „komplex“ und ihr Management steht nicht zwangsläufig auf der Agenda jedes Unternehmens. Mit diesem Beitrag möchten wir Ihnen daher einen Ausgangspunkt für eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema Lizenzierung von Schriftarten zur Verfügung stellen. Bevor wir uns aber mit Details beschäftigen, folgt erst ein kurzer Exkurs zur Klärung wichtiger Fachbegriffe.

Eine Schriftart – nehmen wir an Arial – besteht aus Schriftzeichen, die durch ein vergleichbares Design geprägt sind. Diese Schriftart setzt sich aus verschiedenen Schriftschnitten zusammen, die wir für gewöhnlich als „fett“, „kursiv“ oder „schmal“ kennen. Den Hersteller einer Schriftart bezeichnet man als „Font Foundry“. Da für die erwähnten Fachbegriffe häufig englische Bezeichnungen verwendet werden, hier noch eine kurze Zusammenfassung in beiden Sprachen:

Schriftart (typeface) – Schriftschnitt (font) – Schriftzeichen (glyph)

Ein klares Verständnis dieser Begriffe ist wichtig, da Sie immer wieder auf sie stoßen werden, wenn Sie sich mit der Lizenzierung von Schriftarten und den entsprechenden Lizenzbedingungen auseinandersetzen.

Bekannte Font Foundries sind neben großen Software-Herstellern wie Adobe, Google oder Microsoft vor allem spezialisierte Anbieter wie Dalton Maag, DSType oder Monotype. Sie bieten ein breites Portfolio verschiedener Schriftarten an, für die häufig unterschiedliche Lizenztypen verfügbar sind. Diese Lizenztypen bestimmen das Einsatzszenario einer Schriftart und regeln dadurch auch die erforderliche Anzahl an Lizenzen. Gleichzeitig legt der Lizenztyp einer Schriftart fest, ob und für welchen Zweck die Schriftart in ein Endprodukt (bspw. ein Dokument, eine Webseite, eine App) eingebettet werden darf. Die folgende Tabelle enthält die gängigsten Lizenztypen. Neben diesen gibt es viele weitere, die die Verwendung von Schriftarten u.a. in eBooks, Filmen oder Videospielen regulieren.

Lizenztyp Was wird lizenziert? Einbettung der Schriftart
Desktop Lizenz Die Anzahl der benötigten Lizenzen hängt entweder von der Anzahl der Endgeräte oder aber von der Anzahl der User ab, die mit der Schriftart arbeiten. Für gewöhnlich in Dokumente zum Zweck des Druckens und Betrachtens.
Web Lizenz Entweder es erfolgt eine Lizenzierung per Domain oder sie ist abhängig von der Anzahl der erfolgten Seitenaufrufe pro Domain. Typischerweise zur Einbettung in Webseiten anhand unterschiedlicher Verfahren.
App Lizenz Hier wird das Endprodukt lizenziert, für das die Schriftart verwendet wird. In manchen Fällen wird zusätzlich eine Lizenz pro Ziel-Betriebssystem (Android, iOS, etc.) fällig. Einbettung in die App zum Zweck der Visualisierung der Inhalte.

 

In den Nutzungsrechten wird außerdem festgelegt, ob eine Schriftart verändert und ob sie an Dritte (und zu welchem Zweck) weitergegeben werden darf. Achten Sie darauf, ob Sie eine Schriftart zur Erstellung eines kommerziellen Produkts oder nur für Ihre internen Geschäftszwecke verwenden dürfen. Gleiches gilt bei der Weitergabe von Schriftarten an externe Dienstleister, bspw. zur Erstellung von Drucksachen. Prüfen Sie vorab, ob dies erlaubt ist und, falls notwendig, welche Maßnahmen Sie durchführen müssen, damit die in ein Dokument eingebettete Schriftart nicht von Dritten verwendet werden kann.

Neben kommerziellen Schriftarten gibt es eine Vielzahl von Open Source Schriftarten, die auch im kommerziellen Umfeld verwendet werden dürfen. Als Beispiel möchten wir hier die Schriftarten nennen, die Google kostenfrei online zur Verfügung stellt. Diese Schriftarten dürfen sowohl in Webseiten eingebettet als auch zur lokalen Erstellung von Dokumenten verwendet werden. Alle Google Schriftarten werden entweder über die Apache License 2.0 oder die SIL Open Font License 1.1 lizenziert. Weitere Informationen zur Open Source Lizenzierung finden Sie in der License Library.

Die Lizenzierung von Schriftarten ist wesentlich umfangreicher, als ich es an dieser Stelle beschreiben könnte. Das liegt zum einen an der kontinuierlich wachsenden Anzahl an Schriftarten als auch an dem Umstand, dass viele Font Foundries ihre Schriftarten auch über Marktplätze von Drittanbietern vertreiben. Dort gelten dann mitunter andere Lizenzbedingungen als beim eigentlichen Hersteller. Darüber hinaus stellt die Analyse der Nutzungsrechte von Schriftarten, die mit einem Betriebssystem oder einer Office Software ausgeliefert werden, eine weitere Herausforderung dar. Sollten Sie an einer tiefergehenden Betrachtung dieses Themas interessiert sein, empfehlen wir Ihnen einen Blick in die License Library. In unserem Wissensportal zur Software-Lizenzierung finden Sie auch einen separaten Bereich, der sich der Lizenzierung von Schriftarten widmen. Einen kostenfreien Testaccount können Sie sich auf dieser Seite erstellen.

 

Redakteur: Tim Frölich
Datum: 08|2019

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